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Explosion in der St. Hildegard-Kirche in Mannheim-Käfertal – Staatsanwaltschaft Mannheim stellt Antrag auf Durchführung des Sicherungsverfahrens

Datum: 22.05.2018

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat gegen einen 25-jährigen pakistanischen Staatsangehörigen Antrag zum Landgericht Mannheim – Strafkammer – zur Durchführung des Sicherungsverfahrens gestellt. Dem Beschuldigten liegt die gemeinschaftliche Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gemeinschädliche Sachbeschädigung zur Last.

Wie mit Pressemitteilung vom 07.12.2017 bereits berichtet, soll der Beschuldigte am 17.10.2017 zusammen mit einem bislang nicht identifizierten Mittäter im Glockenturm der St. Hildegard-Kirche in Mannheim-Käfertal eine starke Explosion herbeigeführt haben, wodurch die Kirche erheblich beschädigt wurde. Demnach soll er zusammen mit dem Mittäter mit einem Hammer zuerst zwei Glasfenster des Kirchturmes eingeschlagen haben. Anschließend sollen sie eine geöffnete Gasflasche eingebracht und das ausströmende Gas angezündet haben, so dass es zu der genannten Explosion gekommen sei. Hierdurch entstand ein Sachschaden von mindestens 6.800 Euro.

Nachdem aufgrund derzeitiger gutachterlicher Bewertung die Schuldfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit möglicherweise aufgehoben war, wurde Antrag auf Durchführung des sogenannten Sicherungsverfahrens gestellt. Ziel ist die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus (§ 63 StGB). Derzeit befindet er sich in einstweiliger Unterbringung (§ 126 a StPO) in einer solchen Einrichtung. Er hat sich zum Tatvorwurf eingelassen und ist bezüglich seiner Tatbeteiligung im Wesentlichen geständig. Es bestehen derzeit keine Anhaltspunkte für ein religiöses Motiv beim Beschuldigten. 

Erläuterung:

§ 126 a StPO Einstweilige Unterbringung

(1)   Sind dringende Gründe für die Annahme vorhanden, dass jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit oder verminderten Schuldfähigkeit (§§ 20, 21 des Strafgesetzbuches) begangen hat und dass seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt angeordnet werden wird, so kann das Gericht durch Unterbringungsbefehl die einstweilige Unterbringung in einer dieser Anstalten anordnen, wenn die öffentliche Sicherheit es erfordert. (…)

§ 413 StPO Zulässigkeit

Führt die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren wegen Schuldunfähigkeit oder Verhandlungsunfähigkeit des Täters nicht durch, so kann sie den Antrag stellen, Maßregeln der Besserung und Sicherung selbständig anzuordnen, wenn dies gesetzlich zulässig ist und die Anordnung nach dem Ergebnis der Ermittlungen zu erwarten ist (Sicherungsverfahren).

§ 414 StPO Verfahren; Antragsschrift

(1)   Für das Sicherungsverfahren gelten sinngemäß die Vorschriften über das Strafverfahren, soweit nichts anderes bestimmt ist.

(2)   1Der Antrag steht der öffentlichen Klage gleich. 2An die Stelle der Anklageschrift tritt eine Antragsschrift, die den Erfordernissen der Anklageschrift entsprechen muss. 3In der Antragsschrift ist die Maßregel der Besserung und Sicherung zu bezeichnen, deren Anordnung die Staatsanwaltschaft beantragt. 4Wird im Urteil eine Maßregel der Besserung und Sicherung nicht angeordnet, so ist auf Ablehnung des Antrages zu erkennen.

(3)   Im Vorverfahren soll einem Sachverständigen Gelegenheit zur Vorbereitung des in der Hauptverhandlung zu erstattenden Gutachtens gegeben werden.

§ 61 StGB Übersicht

Maßregeln der Besserung und Sicherung sind

  1. die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus,

(…)

§ 63 StGB Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus

1Hat jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit (§ 20) oder der verminderten Schuldfähigkeit (§ 21) begangen, so ordnet das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, dass von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten, durch welche die Opfer seelisch oder körperlich erheblich geschädigt oder erheblich gefährdet werden oder schwerer wirtschaftlicher Schaden angerichtet wird, zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist. (…)


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Telefon: 0621 292-7106 — Telefax: 0621 292-7120

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